LOHN+GEHALT Ausgabe 1/2025 FOKUS 17 Der nächste Meilenstein Ab dem 02.02.2025 tritt eine weitere zentrale Bestimmung in Kraft. Un- ternehmen, die KI-Systeme entwi- ckeln, betreiben oder nutzen, müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiten- den im Umgang mit dieser Technolo- gie geschult sind. Dies gilt nicht nur für technische Fachkräfte, sondern für alle Mitarbeitenden, die in irgendeiner Weise mit KI-Systemen arbeiten. Diese Schulungen sollen grundlegen- des Wissen über die Funktionsweise von KI, ihre Anwendungsbereiche und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Herausforderungen ver- mitteln. Ziel ist es, einen verantwor- tungsvollen Umgang mit KI zu fördern und sicherzustellen, dass Mitarbei- tende potenzielle Risiken erkennen und minimieren können. Unternehmen sind verpflichtet, die durchgeführten Schulungen zu m o c . e b o d a . k c o t s / r o t c e V m I : d l i B dokumentieren und regelmäßig zu aktualisieren. Bei Verstößen drohen Bußgelder und andere Sanktionen. Langfristige Entwicklungen und zukünftige Anforderungen Neben den bereits in Kraft getretenen und bevorstehenden Regelungen plant die EU weitere Maßnahmen. Zu den langfristigen Zielen gehört die Ein- führung eines EU-weiten Zertifizie- rungssystems für KI-Systeme. Dieses soll gewährleisten, dass alle KI-Pro- dukte, die in der EU eingesetzt wer- den, den hohen Standards des AI Acts entsprechen. Darüber hinaus wird erwartet, dass die Verordnung kontinuierlich an neue technologische Entwicklungen ange- passt wird. Themen wie Generative KI (z. B. Text- oder Bildgeneratoren) könnten in Zukunft stärker regu- liert werden, da sie neue ethische und rechtliche Fragen aufwerfen. Die Auswirkungen auf Unternehmen Die neuen Regelungen werden erheb- liche Auswirkungen auf Unternehmen haben. Die Anforderungen an Trans- parenz, Datenqualität und Schulun- gen bedeuten für viele Unternehmen einen erheblichen Mehraufwand. Ins- besondere kleine und mittelständische Unternehmen könnten mit den neuen Vorschriften kämpfen, da sie mögli- cherweise nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um die Anforde- rungen zu erfüllen. Unternehmen, die KI in sensiblen Be- reichen wie Gesundheitswesen, Straf- verfolgung oder Bildung einsetzen, müssen sicherstellen, dass ihre Sys- teme umfassend geprüft und zertifi- ziert sind. Dies könnte zusätzliche Kos- ten und längere Entwicklungszeiten zur Folge haben. Gleichzeitig könn- ten Unternehmen, die die neuen Stan- dards erfüllen, einen Wettbewerbs- vorteil erlangen, da sie das Vertrauen der Verbraucher gewinnen. Besonders betroffen sind Prozesse, in denen KI-Systeme Entscheidungen treffen oder Daten analysieren. Dazu gehören beispielsweise: Rekrutierung und Perso- nalauswahl: KI-Tools, die bei der Vorauswahl von Bewer- bern eingesetzt werden, müs- sen sicherstellen, dass sie nicht diskriminieren. Medizinische Diagnostik: KI- Systeme, die in der Medizin ein- gesetzt werden, müssen höchste Genauigkeits- und Sicherheits- standards erfüllen. Autonomes Fahren: Hersteller autonomer Fahrzeuge müssen umfassende Tests und Zertifizie- rungen durchführen, um die Si- cherheit zu gewährleisten. Kundenservice: KI-basierte Chatbots und virtuelle Assisten- ten müssen Nutzer klar über ihre Natur informieren. Was sollten Unternehmen jetzt tun? Für Unternehmen ist es entscheidend, die neuen Anforderungen frühzeitig zu verstehen und umzusetzen. Dazu gehört eine gründliche Analyse beste- hender KI-Systeme, die Entwicklung von Schulungsprogrammen und die Zusammenarbeit mit Experten. Eine proaktive Herangehensweise wird nicht nur helfen, rechtliche Risiken zu minimieren, sondern auch, die Wett- bewerbsfähigkeit zu sichern. Fazit Der AI Act ist ein wegweisendes Gesetz, das die Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der EU nachhaltig verändern wird. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich an die neuen Vorschriften anzupassen, während die EU ihren Weg in eine regulierte und dennoch innovative KI-Zukunft ebnet. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie effektiv der AI Act um- gesetzt wird und welche Auswir- kungen er auf die technologische Landschaft Europas haben wird. ■ Janette Rosenberg